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Die Transfusionsabhängige
β-Thalassämie
(Transfusion-Dependent Thalassaemia, TDT) Ist
Eine Schwere, Genetische
Erkrankung,
Die Patienten Ein Leben Lang Belastet1,2

Die Prävalenz der β-Thalassämie ist
weltweit im Wandel begriffen.4,5

Die Inzidenz und Prävalenz der β-Thalassämie sind weltweit unterschiedlich. Endemische Populationen finden sich vor allem in Südasien, im Nahen Osten sowie in Nordafrika und Südeuropa. Zwar verändert sich die globale Verteilung der Krankheit durch Migration, aber die β-Thalassämie ist in den meisten Ländern Europas und in den Vereinigten Staaten nach wie vor eine seltene Erkrankung.5,6

  • Die Prävalenz der TDT in Europa ist unterschiedlich und liegt in den meisten nicht endemischen Ländern bei <1.000 Patienten.7,8,9,10
  • In Italien sind schätzungsweise 6.500 Patienten von TDT betroffen.11
  • Nach Angaben der Centers for Disease Control and Prevention (CDC), sind in den USA mindestens 1.000 Menschen von β-Thalassämie major (einer Unterart der TDT) betroffen; die genaue Prävalenz von TDT in den USA ist nicht bekannt.4,6
  • Sowohl in Europa als auch in den USA ist die Prävalenz von β-Thalassämie aufgrund der Einwanderung von Menschen aus endemischen Ländern angestiegen.4,7,8,9
  • Etwa 1,5% der Weltbevölkerung (80-90 Millionen Menschen) sind Anlageträger der β-Thalassämie.
  • Jedes Jahr werden 60.000 Menschen mit Symptomen geboren.5

Vererbung der β-Thalassämie

Die β-Thalassämie wird als autosomal-rezessive Erkrankung vererbt. Es liegen aber auch Berichte über seltene dominante Mutationen vor. Das beta-Globin-Gen befindet sich auf dem kurzen Arm von Chromosom 11. Mehr als 200 krankheitsauslösende Mutationen sind bekannt, die meisten davon sind Punktmutationen.5,12

Die Pathophysiologie der β-Thalassämie

Die β-Thalassämie ist durch mangelnde oder fehlende beta-Globinketten im adulten Hämoglobin-(HbA)-Tetramer gekennzeichnet, das bei Erwachsenen aus zwei alpha-und zwei beta-Globinketten (α2β2) besteht.13 Wenn keine beta-Globinketten vorhanden sind, präzipitieren die alpha-Globinketten, was eine ineffiziente Erythropoese und Hämolyse verursacht und somit zu Anämie führt. Durch die Anämie wird wiederum die Erythropoetinsynthese stimuliert, was zu starker Proliferation des Knochenmarks, Skelettmissbildungen und Wachstums-sowie Stoffwechselstörungen verschiedenster Art führt. Typisch für Patienten mit β-Thalassämie ist eine Splenomegalie, die das Resultat einer extramedullären Hämatopoese ist oder die Reaktion auf eine extravaskuläre Hämolyse darstellt.1

DIE ZUSAMMENHÄNGE:
Ineffiziente Erythropoese und Hämolyse bei β-Thalassämie1

WISCHEN ODER DREHEN
Diagramm für Ineffiziente Erythropoese und Hämolyse bei β-Thalassämie

Adaptiert nach Rachmilewitz E, Giardina P. How I treat thalassemia. Blood. 2011;118(13):3479-88.

β-Thalassämie:

Schweregrade13

Traditionell wird die β-Thalassämie in drei Grundtypen eingeteilt: β-Thalassämie minor (Träger), β-Thalassämie intermedia und β-Thalassämie major.

1. β-Thalassämie minor (Träger)
Klinisch asymptomatisch; die Patienten sind heterozygote Träger der β-Thalassämie.

2. β-Thalassämie intermedia
Klinisch und genotypisch heterogene Funktionsstörungen von milden Formen bis hin zur schweren transfusionsabhängigen Form.

3. β-Thalassämie major
Schwere, transfusionsabhängige Anämie.

  1. Die Bezeichnungen—major, intermedia und minor—werden auch heute noch von Patienten und Klinikern verwendet. Die aktuellen Leitlinien der Thalassaemia International Federation (TIF) unterscheiden jedoch die β-Thalassämie je nach klinischem Schweregrad in:1

  2. TDT transfusion dependent thalassaemia, transfusionsabhängig

    NTDT non-transfusion dependent thalassaemia, nicht transfusionsabhängig

Wie wird die transfusionsabhängige β-Thalassämie diagnostiziert?

Die β-Thalassämie major manifestiert sich klinisch in der Regel im Alter von 6 bis 24 Monaten. Betroffene Kleinkinder zeigen eine schwere mikrozytische Anämie, Gedeihstörungen, zunehmende Hautblässe, leichte Gelbsucht und sie entwickeln eine Hepatosplenomegalie, die zu einem aufgeblähtem Abdomen führen kann. Sie zeigen eventuell auch Essstörungen und wiederkehrendes Fieber durch einen hypermetabolischen Zustand oder interkurrente Infektionen.1

  • Bleibt die Erkrankung unbehandelt—das heißt ohne eine regelmäßige Transfusionsbehandlung—sterben Kinder mit transfusionsabhängiger β-Thalassämie meist innerhalb der ersten Lebensjahre.1

Bei der β-Thalassämie intermedia handelt es sich meist um eine später auftretende Form der Erkrankung mit milder klinischer Symptomatik. Patienten mit einer schwereren Ausprägung dieser Form können eine verlangsamte Entwicklung und Wachstumsverzögerungen zeigen, während Patienten mit einer leichteren Ausprägung vollständig asymptomatisch sein können und eventuell nur eine leichte Anämie aufweisen. Menschen, die Anlageträger für die β-Thalassämie (heterozygot) sind, zeigen keine relevanten klinischen Anzeichen, da die Aktivität ihrer normalen β-Globin-Gene eine ausreichende Menge stabilen Globins erzeugt.1

Patienten mit transfusionsabhängiger β-Thalassämie benötigen typischerweise alle zwei bis fünf Wochen regelmäßige Bluttransfusionen. Ziel der Transfusionen ist—nach den TIF-Leitlinien—einen Hämoglobinwert von über 9-10,5 g/dl (Basiskonzentration) zu erhalten.1

Hb-Elektrophorese und molekulare Analyse

Die verschiedenen Hämoglobintypen können mittels Hämoglobin-Elektrophorese oder Hochdruckflüssigkeitschromatografie dargestellt und mengenmäßig bestimmt werden. Bei TDT-Patienten stellt das fetale Hämoglobin (HbF) den größten Teil des Gesamthämoglobins dar. Mutationen des β-Globin-Gens können außerdem mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) oder Gensequenzierung nachgewiesen werden.1

Wie wird die transfusionsabhängige β-Thalassämie behandelt?

Vor der Entwicklung einer effektiven Therapie in Form einer Verabreichung chronischer Bluttransfusionen starben Kinder mit dieser Krankheit meist in den ersten Lebensjahren und die β-Thalassämie galt als eine Erkrankung des Kindesalters.1

  • Erythrozytentransfusionen sind ein zentraler Bestandteil der Behandlung dieser schweren Krankheit. Sie korrigieren die für die β-Thalassämie typische Anämie und begrenzen die Knochenmarkexpansion, aber sie führen auch zur Eisenüberladung.1,13 Patienten mit einer β-Thalassämie benötigen eine kontinuierliche Überwachung der Eisenlast und müssen sich an den Behandlungsplan der Eisenchelat-Therapie halten.

Jede Einheit Blut enthält etwa 200 mg Eisen. Bei regelmäßigen Bluttransfusionen ist eine Eisenüberladung unvermeidbar. Leider gibt es keinen spezifischen Ausscheidungsweg, über den sich die Eisenelimination als Ausgleich der Eisenzufuhr verstärken ließe.16 Eine Eisenchelat-Therapie kann die Kontrolle der Eisenüberladung unterstützen, aber viele Patienten leiden dennoch unter den mit der Eisenüberladung verbundenen Komplikationen.1,17,18

β-Thalassämie Wissenstest

Welche der folgenden Situationen können bei einem Patienten mit β-Thalassämie intermedia vorliegen?

E.

Klinisch kann die β-Thalassämie intermedia sehr unterschiedlich verlaufen, von einem asymptomatischen bis hin zu einem schweren Verlauf. Bei der leichtesten Form sind die Patienten asymptomatisch und weisen bis ins Erwachsenenalter nur eine leichte Anämie auf. Bei der schweren Ausprägung treten bei den Patienten im Alter zwischen 2 und 6 Jahren Wachstumsverzögerungen und Entwicklungsstörungen auf. Möglicherweise treten Knochen- und Gesichtsschädeldeformierungen auf. Sowohl bei β-Thalassämie major als auch bei β-Thalassämie intermedia ist die intestinale Eisenresorption erhöht. Chronische Bluttransfusionen sind die Hauptursache der Eisenüberladung bei Patienten, die regelmäßige Bluttransfusionen erhalten. Aber Patienten mit β-Thalassämie können auch ohne Transfusionstherapie aufgrund der bei dieser Erkrankung erhöhten Eisenresorption eine Eisenüberladung entwickeln.1,13

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